Süchtig

1. August 2009

“die Ennomane” schreibt über die sogenannte Internet-Sucht und den undifferenzierten Blick den die Internet-Ignoranten dabei an den Tag legen. Ich teile die Wahrnehmung, ist sie doch ein Ausdruck der typisch deutschen Abneigung gegen Unbekanntes. Es ist neu, wird nicht verstanden, also ist es schlecht.

Und da große, einfache Schlagzeilen oft besser ankommen als eine differenzierte Auseinandersetzung, ist das Bild des Internet-Nutzern in der Offline-Welt oft das eines Süchtigen, weil er ja ständig Online ist und anscheinend nicht mehr ohne kann.

Inzwischen ist das ganze auch mehr als ein Generationenkonflikt, weil nicht nur die jüngere Generation, die eine Welt ohne Internet nicht mehr kennt, das Netz nutzt, sondern auch viele ältere Menschen. Bestes Beispiel dafür ist meine Mutter. Rentnerin, Laptop, WLAN, Internet-Zugang, täglich online. Über ein Handarbeitsforum hat sie Leute kennengelernt, die nicht nur die letzte Strick-/Stick- und Häkelmode austauschen, sondern sich auch regelmäßig offline treffen. Reisen oder Hotelzimmer werden online gebucht. Ersatz für die kaputte Spülmaschine wird, nach ergebnisloser Offline-Suche vor Ort, bei amazon gekauft.

Wenn Schwarz-Gelb im September die Wahl gewinnt, was leider recht wahrscheinlich ist, wird der Trend zu mehr Restriktionen, Bevormundung und  Überwachung weitergehen und unsere Regierenden werden das Internet weiter als Hort der Kriminalität und Droge betrachten.

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